Eine zentrale Rolle spielen seit Jahrzehnten Global Distribution Systems – kurz GDS. Doch ihre Rolle verändert sich. NDC, Direct Connects und neue Aggregatoren haben die klassische Distributionslandschaft erweitert.
Was ist ein Global Distribution System?
Ein Global Distribution System ist eine Plattform zur Distribution und Buchung von Reiseleistungen.
Über ein GDS können Reisebüros, Travel Management Companies (TMC) und andere Buchungssysteme auf Angebote verschiedener Leistungsträger zugreifen.
Zu den weltweit führenden GDS gehören:
- Amadeus
- Sabre
- Travelport
Traditionell bündeln diese Systeme insbesondere Flugangebote, Hotels und Mietwagen und stellen diese für Reisevermittler und Buchungslösungen bereit.
Was ist der Unterschied zwischen CRS und GDS?
Die Begriffe CRS (Computer Reservation System) und GDS (Global Distribution System) werden häufig synonym verwendet. Technisch beschreiben sie jedoch unterschiedliche Ebenen.
Ein CRS verwaltet Reservierungen und Verfügbarkeiten eines Anbieters oder einer Anbietergruppe.
Ein GDS verteilt Angebote verschiedener Anbieter an Reisevermittler und Buchungssysteme.
Vereinfacht dargestellt:
Leistungsträger → Reservierungssystem → GDS → Reisebüro / TMC / Buchungstool → Reisender
Diese klassische Kette ist heute allerdings nur noch ein Teil der Realität.
Warum waren GDS für Geschäftsreisen so wichtig?
Der entscheidende Vorteil war die Bündelung.
Statt für jede Airline, Hotelkette oder Autovermietung eine eigene technische Verbindung aufzubauen, konnten Reisebüros über eine zentrale Infrastruktur auf zahlreiche Anbieter zugreifen.
GDS übernahmen dabei wichtige Funktionen:
- Verfügbarkeiten darstellen
- Tarife bereitstellen
- Buchungen erstellen
- Reservierungen ändern
- Buchungsdaten übermitteln
- Passenger Name Records (PNR) verwalten
- Daten für Mid- und Backoffice-Prozesse bereitstellen
Damit wurden GDS zu einem wichtigen Bestandteil der Infrastruktur professioneller Geschäftsreiseprogramme.
Ist heute noch jede Reiseleistung im GDS verfügbar?
Nein.
Die Distributionslandschaft hat sich verändert.
Airlines vertreiben Inhalte inzwischen über unterschiedliche Kanäle. Dazu gehören klassische GDS-Inhalte ebenso wie NDC-Verbindungen, Direct Connects und weitere APIs.
Dabei können sich je nach Vertriebskanal unterscheiden:
- verfügbare Tarife
- Zusatzleistungen
- Serviceangebote
- Preisbestandteile
- Umbuchungsmöglichkeiten
- technische Prozesse
Ein GDS ist deshalb heute nicht automatisch mit dem vollständigen verfügbaren Content eines Anbieters gleichzusetzen.
Welche Rolle spielen NDC und Direct Connect?
Mit New Distribution Capability (NDC) hat die IATA einen Standard geschaffen, über den Airlines und Vertriebspartner strukturierte Angebots- und Buchungsdaten austauschen können.
Airlines können damit differenziertere Angebote bereitstellen und zusätzliche Leistungen besser in den Verkaufsprozess integrieren.
NDC bedeutet allerdings nicht automatisch eine direkte Verbindung zwischen Airline und Unternehmen.
NDC-Content kann über unterschiedliche Wege bereitgestellt werden – beispielsweise über ein GDS, einen Aggregator, eine TMC-Plattform oder eine direkte Schnittstelle.
Mehr dazu: GDS, NDC und Direct Connect – wie moderne Flugdistribution funktioniert.
Werden GDS durch NDC ersetzt?
So einfach ist es nicht.
Die Entwicklung führt weniger zu einem Austausch eines Systems durch ein anderes als zu einer Multi-Source-Distribution.
Moderne Buchungsplattformen können Inhalte aus mehreren Quellen zusammenführen:
GDS + NDC + Direct Connect + weitere APIs
Für Unternehmen entsteht damit eine neue Herausforderung: Entscheidend ist nicht mehr allein, welches GDS eingesetzt wird.
Entscheidend ist, welcher Content tatsächlich verfügbar ist und wie zuverlässig Buchung, Änderung, Stornierung, Zahlung, Abrechnung und Reporting über die verschiedenen Quellen funktionieren.
Was bedeutet das für Travel Manager?
Bei der Auswahl eines Reisebüros oder Online Booking Tools reicht die Frage nach dem verwendeten GDS heute nicht mehr aus.
Travel Manager sollten unter anderem prüfen:
- Welche Content-Quellen werden integriert?
- Welche Airlines sind über NDC verfügbar?
- Werden GDS- und NDC-Angebote gemeinsam dargestellt?
- Können NDC-Buchungen online geändert und storniert werden?
- Funktionieren Genehmigungsprozesse unabhängig vom Content-Kanal?
- Werden Zahlungsdaten vollständig verarbeitet?
- Sind Rechnungs- und Reportingdaten konsistent?
- Können Duty-of-Care-Prozesse alle Buchungen erfassen?
- Wie werden Buchungen außerhalb der Plattform berücksichtigt?
Denn eine große Auswahl im Buchungsprozess allein macht noch kein funktionierendes Travel Management.
Vom GDS zur modernen Travel-Distribution
Das klassische GDS bleibt ein wichtiger Bestandteil der Geschäftsreise-Infrastruktur. Es ist heute jedoch Teil eines größeren technischen Ökosystems.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr:
Welches GDS nutzen wir?
Sondern:
Wie bringen wir die relevanten Inhalte, Prozesse und Datenquellen in einer stabilen End-to-End-Lösung zusammen?
Genau hier treffen Travel Management, Technologie und Prozessdesign aufeinander.
Disclaimer: Wir haben die Inhalte sorgfältig recherchiert — travexis übernimmt keine Haftung oder Gewährleistung für die Richtigkeit und Anwendbarkeit der Informationen. Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht aus der Praxis, keine Rechts- oder Steuerberatung. Wenn Sie rechtsverbindliche Unterstützung benötigen, konsultieren Sie den Anwalt oder die Fachabteilung Ihres Vertrauens.

